Fluchtperspektive 5


Guck mal, wie schön das ist. Je weiter die Sachen weg sind, desto weniger bewegen sie sich..

Als ich heute mit meinem Vater vom Essen bei meiner Großmutter zurückgefahren bin, haben wir über ein Thema geredet, über das sich die meisten sechzehnjährigen wohl nicht mit ihren Vätern unterhalten würden. Statt dass er ruhig fährt und ich auf mein Handy gucke, oder laut Musik läuft und wir beide schweigen, haben wir angefangen, über mehrere Sachen zu reden, die im Nachhinein eigentlich sehr nachdenkenswert sind.

Ich möchte direkt zu Anfang sagen, dass dies ein sehr gewagter Post ist, den ich vielleicht nach kurzer Zeit wieder löschen werde - abhängig von der Reaktion. Ich schreibe über viele Dinge, die vermutlich nicht so viele Leute so sehen werden, wie ich es tue.
Ich möchte auch betonen, dass mein Vater, der hier vielleicht ab und zu als negativ dargestellt wird, einer der wichtigsten Menschen für mich ist. Ich habe eine sehr gute Beziehung zu ihm, kann mit ihm über alles reden und er versteht mich fast immer sehr gut. Ich bin vom Charakter her sehr wie mein Vater und ich glaube, dass er mir sehr viel positives und richtiges mitgebracht hat.

Erziehung und so

Eigentlich sollte ich dir das ja gar nicht sagen. Eigentlich sollte ich dir nur positive Sachen beibringen und sagen, wie gut und sinnvoll alles ist. Aber so ist es nunmal nicht.

Ich habe schon lange die Auffassung, dass Eltern ihren Kindern gefälligst beibringen sollen, was sie für richtig halten. Nicht einfach nur sagen "Das halte ich für richtig," sondern, und das finde ich sehr wichtig, sagen "Das halte ich für richtig, weil...". Mein Vater sagt mir über viele Sachen immer die Wahrheit. Er gibt zu, wie er über sie denkt, wie er sie empfindet und warum er denkt dass Sachen, wie sie normalerweise gemacht werden, gut oder oftmals eben nicht so gut sind. Das ist der richtige Weg, finde ich.

Geld?

Wenn mein Vater und ich reden, springen wir oft von Thema zu Thema, immer hin und her. Heute ist uns aufgefallen, wie schwachsinnig Geld, wenn man mal genau drüber nachdenkt, eigentlich sein könnte. Ich weiß, dass ich wenig Ahnung von dem Thema habe, und ich weiß, dass viele Leute das was ich jetzt schreibe vermutlich als groben Schwachsinn ansehen würden, aber mir sind zwei Dinge klar:

1: Wenn alle bei jemand anderem Schulden haben und diese mit Zinsen abbezahlen müssen - Woher nehmen die Leute dann das ganze Geld? Zinsen sind ausgedachtes Geld. Ein Messwert, der gar nicht wirklich existiert. Wenn alle Leute gleichzeitig einen Kredit aufnehmen würden, dann wären 100% des Geldes verteilt und in Benutzung. Wenn sie jetzt Zinsen zahlen müssten - Woher würden sie das Geld für die Zinsen nehmen? Sie würden ja mehr als 100% von dem Kredit zurückzahlen müssen.

2: Geld ist nichts wert. Wenn alle auf der Welt, gleichzeitig und geplant, einfach sagen würden "Diese Stücke Papier, die wir benutzen, um zu zahlen, sind nichts wert!" - Dann wäre es auch so.

Das Leben generell

Ich unterhalte mich generell oft mit anderen Leuten über Themen, die viele als depremierend oder sogar wirklich depressiv einstufen würden, ich sehe viele davon aber als ganz normal an. Gerade dieses Thema wird für die Leute klingen wie ein Selbstmordbrief - Aber im Gegenteil. Ich stelle eine gewöhnliche Frage zu einem Thema, das mich neutral (also nicht mal gefühlsmäßig!) beschäftigt. Warum sollte man über etwas, woran man denkt, auch nicht reden wollen?

Ich habe auf der Fahrt mit meinem Vater über eine theoretische Person geredet, die frei erzogen wurde und tun durfte, was sie wollte. Sie ist ein guter Mensch geworden, aber sie hat nie etwas erreicht. "..ja und?", habe ich gefragt. Mein Vater hat mich zuerst nicht verstanden, aber dann wusste er, wovon ich rede - Und verstand mich. 

Es ist nicht so, dass ich als Person nichts errichen wollen würde, oder dass es mir egal wäre, wenn ich keinen Abschluss, kein Studium oder keinen Job bekommen würde - ganz im Gegenteil, ich bemühe mich sogar sehr, all diese Dinge zu erreichen. Aber die Frage ist: Wofür? Was bringt es einem überhaupt? Egal wie sehr man sich anstrengt, egal wie viel Mühe man sich macht - Man stirbt doch eh irgendwann. Egal ob man sich sein Leben lang austobt, nur Scheiße macht und ein Schwachkopf ist oder einen guten Job bekommt, weil man sich anstrengt, dann viel verdient und eine große Villa hat. Es macht überhaupt keinen Unterschied, wenn man drüber nachdenkt. Oder?

...Fluchtperspektive... das ist so ein schönes Wort.

 


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5 thoughts on “Fluchtperspektive

  • Kristian295

    Ja… über das Thema Leben habe ich auch schon oft nachgedacht, teilweise sogar mit ähnlicher Fragestellung.

    Man kann eine von zwei Meinungen haben:
    A: Ja, es gibt soetwas wie ein “Leben” nach dem Tod.
    oder B: Nein, – und diese Antwort erscheint mir nach längerem Nachdenken als wahrscheinlicher – wenn man stirbt, dann ist man wirklich tod, dann gibt es nichtsmehr, was noch”lebt” von einem.

    Angenommen A: Vielleicht strebst du Dinge an, um wirklich später besser darzustehen.
    oder B: (wie bereits gesagt, bevorzuge ich diesen Standpunkt, weswegen ich etwas mehr schreiben kann) Du machst etwas um dich selbst zu erfüllen, um am Ende deines Lebens sagen zu können, dass du etwas geschaft hast. Eventuell kannst du auch auf dich stolz sein, weil du etwas für die Nachwelt geschaffen hast.

    Das wären so meine Ansätze.

    Nun bleibt die Frage, ob es wirklich andere Menschen um uns herum gibt oder ob das alles nur in unserem Kopf o.ä. passiert… (sowas habe ich mir schon öfters mal gestellt.)

    ::: Ich finde es übrigens toll, dass du hier in einem Blog nicht nur deinen eigenen Gedanken Ausdruck verleihst, sondern auch anderen die Möglichkeit bietest, selbst darüber nachzudenken.

  • Kenny

    Zum Thema Geld: Das ist tatsächlich ein Thema, über das man sich beliebig streiten kann. Schlussendlich stellt das eigentlich betrachtete Geld lediglich ein leicht transportierbares Tauschmittel dar, demgegenüber der Staat einen Wert garantiert. Früher stand ein Geldschein einem tatsächlichen Gegenwert in Form von Gold oder Silber gegenüber, das bei der Bank hinterlegt war und jederzeit eingefordert werden konnte. Diese direkte Beziehung ist inzwischen verloren gegangen.

    Das Zins- und Zinseszinssystem ist davon erst einmal entkoppelt zu betrachten und stellt eher die derzeit vorherrschende Wirtschaftsordnung dar, die davon ausgeht, dass das Verleihen von Geld ein Risiko darstellt. Durch die Erhebung von Zinsen wird ein potenzieller Zahlungsausfall durch alle Kreditnehmer gleichermaßen getragen.

    Es gibt auch Ansätze, die von einer Lebensmittelbetrachtung ausgehen, sich aber nicht durchsetzen. Demnach sollte Geld “schlecht” werden, wie das auch bei Lebensmitteln der Fall. Das Verleihen von Geld entspräche dann dem Teilen von Lebensmitteln, die so nicht unnötig schlecht werden. Im Gegenzug würden dann dann dem Erhalt von Geld diejenigen wieder das Geld teilen, das sie mit ihrem eigenen Geld erwirtschaften. So wäre Geld/Lebensmittel immer im Fluss. Setzt sich aber nun mal nicht durch, da Menschen oft auf ihren eigenen Vorteil hin denken.

    Zum Leben allgemein: Es gibt Leute, denen es egal ist, ob sie im Leben etwas erreichen. Es gibt welche, die durch entsprechende Belohnungen zum Erfolg angetrieben werden (extrinsischer Antrieb) und es gibt Menschen, die von sich aus etwas erreichen und Dinge zum besseren verändern wollen (intrinsischer Antrieb). Beispielsweise haben viele, die an OpenSource-Software arbeiten, einen intrinsischen Antrieb – sie wollen (ihre eigenen) Aufgaben (besser) erledigen oder anderen Leuten helfen, dies zu tun.