Denken, Glauben und Wissen


Ich hab' da heute mit meinem Vater ein paar Minuten drüber geredet, aber nicht so lange, wie ich vielleicht gerne hätte.
Ihr kennt das doch sicher alle, oder habt es zumindest ein Mal erlebt:

Ihr wisst ganz genau, dass ihr super gut in einer bestimmten Sache seid. Entweder, weil ihr es durch Ausprobieren und Vorzeigen wissenschaftlich erfahren habt, oder weil andere Leute zu euch gekommen sind und gesagt haben, dass sie finden, dass ihr etwas super gut könnt.
Und dann kommt irgendeiner zu euch, und teilt euch mit, dass er total scheiße findet, was ihr macht, und denkt, dass ihr es richtig schlecht macht.

Okay, es gibt für mich persönlich zwei Optionen:
Entweder, ich akzeptiere seine Meinung, teile sie aber nicht. "Whatever", denke ich mir, "ist doch eh nur irgendein Typ, was hat der schon zu sagen?", und mache weiter mit dem was ich vorher gemacht habe. Wenn ich darüber nachdenke, was die Person gesagt hat, stempel ich es als falsch und dämlich ab und finde mich damit ab, dass es eine Person gibt, die meine Fähigkeiten einfach nicht wertschätzt.
Oder ich fange innerlich an, zu heulen. 
Und das ist leider die Option, die sich bei mir weitaus öfter abspielt. Wenn ich mir hundertprozentig sicher bin, dass ich total gut in einer Sache bin, also davon komplett überzeugt bin, kann mich trotzdem jegliche Kritik daran davon abbringen. 

Ich hatte diese Situation letztens mit einem Lehrer. Wir haben im Sportunterricht Batminton gespielt, eine der wenigen sportlichen Aktivitäten, in denen ich tatsächlich gut bin. Zumindest im Verhältnis zu den anderen Leuten in meinem Sportkurs. 
Dann kommt in der Stunde meine Lehrerin zu mir, und sagt, dass ich schlecht spiele, und an die Seite gehen und mit einer anderen Person üben soll. "Okay", denke ich mir zuerst, "sie hat halt nicht gesehen, dass ich eigentlich gut spiele."
Und sobald ich da dann stand, an der Seite, und mit der anderen Person geübt hab (Warum habe ich das eigentlich über mich ergehen lassen? Ich hätte ihr einfach sagen sollen, dass ich das nicht machen will.), kam der Gedanke in mir hoch, dass sie ja vielleicht doch nicht totalen Schwachsinn redet und vielleicht doch Recht hat und ich wirklich schlecht spiele. 
Und ab dem Moment habe ich die ganze Stunde lang an mir gezweifelt.

Und hier kommt der Satz ins Spiel, den ich, meiner Meinung nach, sehr treffend formuliert zu meinem Vater gesagt habe:
Denken und Wissen haben leider überhaupt nichts miteinander zu tun.

Was ich damit meine: Als ich an mir selbst gezweifelt habe, also wusste, dass ich es eigentlich kann, aber trotzdem zu mir selbst sagte, ich könnte es nicht, wurde quasi die Ebene des Wissens (Ich kann das gut, das weiß ich) durch diese fiese Ebene des Denkens (Ich kann das vielleicht doch nicht gut...) verdrängt. Und das obwohl diese beiden "Ebenen" eigentlich zusammenarbeiten sollten, weil ich insgesamt ja eigentlich eine der beiden Optionen klar weiß, aber trotzdem beide gleichzeitig auf irgendeine Weise im Blickfeld habe, aber eine eben präsenter als die andere. Und sie vertreten komplett gegensätzliche Ansichten.
Und ich hasse das.
Bei mir ist es aber eh normalerweise so, dass ich mich selbst dazu bringen muss, diese Wissensebene nach vorne zu drängen. Es ist bei mir so oft so, dass ich mir durch andere Leute oder mich selbst das Gefühl gebe, irgendetwas überhaupt nicht zu können oder zu sein, und das dann verdrängen muss, weil mir eigentlich klar sein sollte, dass ich dieses Irgendwas sehr wohl kann oder bin, und mir einfach nur selbst einrede, es wäre nicht so.

Phew. Das war kompliziert. Und vermutlich total blöd erklärt.
Aber ich hoffe ihr versteht es trotzdem, und findet euch da vielleicht auch irgendwie drin wieder.

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